Die Besucherfrequenz in den Städten ist einfach zu gering

Fachhändler Peter Götz ist überzeugt davon, die Corona-Krise zu überstehen / Versandhandel und Abholservice gleichen Rückgänge teilweise aus

REGENSBURG // Das Corona-Krisenjahr 2020 liegt hinter uns. Für 2021 ist Besserung in Sicht. Aber noch bestimmen Lockdown und massive Einschränkungen den Alltag in Deutschland. DTZ sprach mit dem Regensburger Fachhandelsunternehmer Peter Götz über die Herausforderungen in der Corona-Pandemie.

Wie kamen Sie durch das Corona-Krisenjahr 2020?

Peter Götz: 2020 war natürlich ein schwieriges Jahr. Während des Lockdowns im Frühjahr musste ich die Hälfte meiner sechs Geschäfte schließen. Aber als der Frühjahrs-Lockdown beendet war, gingen die Umsätze wieder schön nach oben. Da fehlten uns nur noch die ausländischen Touristen – Regensburg hat zum Beispiel täglich rund 1000 bis 1400 US-Amerikaner zu Gast. Und von denen sind 50 potenzielle Zigarrenraucher, die Havannas kaufen wollen. Über das Gesamtjahr gesehen lag mein Umsatz allerdings etwa 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Mit Herbst und Winter kam die zweite Corona-Welle und mit ihr der zweite Lockdown ab November in der Hotellerie und Gastronomie und ab 16. Dezember auch in weiten Teilen des Einzelhandels. Wie sieht die Situation bei Ihrem Unternehmen im aktuellen Winter-Lockdown aus?

Götz: Die Hälfte des Weihnachtsgeschäfts hatten wir bis Mitte Dezember in der Kasse. Uns fehlten aber besonders die drei Super-Verkaufstage direkt vor Heiligabend. An diesen Tagen haben wir in den Vorjahren immer einen großen Run auf Zigarren und Spirituosen erlebt. Derzeit spüren wir eine generelle Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Städte sind leer. Warum sollen die Menschen auch in die Innenstädte kommen, wenn Cafés, Gaststätten und viele Läden geschlossen sind? Entsprechend gering ist die Besucherfrequenz.

Welche Ihrer sechs Läden dürfen zurzeit öffnen?

Götz: Meine beiden Shops im Donau-Einkaufszentrum in Regensburg und mein Fachgeschäft in Bayreuth sind derzeit geschlossen. Geöffnet ist mein Hauptgeschäft direkt neben dem Regensburger Dom. Dort lassen wir aber nur einen Kunden rein, der nächste muss draußen warten, bis der erste den Laden verlassen hat. Offen sind auch meine Geschäfte in Kelheim an der Donau und Weiden in der Oberpfalz. Aber in diesen beiden Läden wie auch am Dom mache ich jeweils nur am Vormittag für drei bis vier Stunden auf, weil sich längere Öffnungszeiten wegen der geringen Kundenfrequenz überhaupt nicht lohnen.

Haben Sie einen Abhol- oder Lieferservice eingerichtet?

Götz: Ja, diese Service-Angebote hatten sich bereits beim Frühjahrs-Lockdown bewährt, sind aber im Endeffekt nur eine kurzzeitige Ersatzlösung für den normalen Verkauf mit Beratung in unseren stationären Geschäften.

Inwieweit hilft der Online-Handel durch die Corona-Krise?

Götz: Der Umsatz unseres Versandhandelgeschäfts hat einen enormen Schub erlebt und sich in der Corona-Krise verdreifacht. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.

Kann das gute Versandhandelgeschäft den Umsatzrückgang im stationären Geschäft ausgleichen?

Götz: Zum Teil ja, aber natürlich bei weitem nicht ganz. Deshalb hoffe ich auf ein baldiges Ende der Pandemie.

Befürchten Sie, dass Ihr Unternehmen durch die Corona-Krise in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnte?

Götz: Diese Gefahr sehe ich nicht. Die Firma Götz besteht seit 1932 und wird auch diese Krise überstehen. Notfalls müssen wir eine Privateinlage machen. Es gibt Branchen, denen es im Lockdown viel schlechter geht. Frisöre zum Beispiel können keinen Haarschnitt per Versandhandel anbieten.

Am 19. Januar haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, den Shutdown über den 31. Januar hinaus bis zum 14. Februar zu verlängern. Rechnen Sie danach mit einem Ende des Lockdowns?

Götz: Hotellerie und Gastronomie befinden sich bereits seit Anfang November im Lockdown und der Einzelhandel auch schon seit Mitte Dezember. Das Ganze kann ja nicht ewig dauern. Der Lockdown und die Einschränkungen der Menschen müssen schnellstmöglich beendet werden – es muss bald wieder einen normalen Alltag geben.

da / DTZ vom 27.01.2021

Der Einkaufstourismus in den östlichen Nachbarländern schadet uns

Senkung der Freimengen bei Zigaretten würde die Lage für Handel und Fiskus entspannen

REGENSBURG / WEIDEN Der Regensburger Fachhandelsunternehmer Peter Götz betreibt insgesamt sechs Fachgeschäfte im östlichen Bayern. Eines davon befindet sich in Weiden in der Oberpfalz. Die Stadt liegt rund 35 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt.

Während der Grenzschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Zigaretten n dem Weidener Tabakwarenladen kräftig an. „Die Umsätze mit Feinschnitt und Zigaretten sind im Frühjahr 2020 förmlich explodiert“, berichtet Peter Götz und fügt hinzu: „Da sieht man aber auch, wie viele Bundesbürger sich in Tschechien mit Zigaretten eindecken. Oft sitzen neben dem Fahrer noch der Onkel sowie Oma und Opa in den Autos. Die rauchen zwar alle längst nicht mehr, bringen aber ganz legal jeweils vier Stangen Zigaretten mit nach Hause. Da kommen schnell große Mengen zusammen. Uns Händlern in der Grenzregion fehlen diese Verkäufe, und auch der deutsche Finanzminister hat das Nachsehen.“

Götz konstatiert: „Der Einkaufstourismus in den östlichen Nachbarländern schadet uns.“ Er schätzt, dass ihm jährlich mindestens 30 Prozent seines insgesamt möglichen Zigaretten- und Feinschnitt-Umsatzes durch die Einkäufe deutscher Verbraucher in den grenznahen Gebieten des Nachbarlandes verloren geht. Mit einer nennenswerten Senkung der Tabaksteuer auf Zigaretten könnte der deutsche Fiskus dieser Fehlentwicklung gegensteuern. „Doch das wird bestimmt nicht passieren“, ist sich der Fachhändler sicher und verweist darauf, dass die Tabaksteuer-Sätze auf Zigaretten seit jeher immer nur in eine Richtung gehen: nach oben.

Für eher möglich hält der bayerische Fachhändler den französischen Weg. Frankreich hat die Jedermann-Einfuhren begrenzt. Dort dürfen seit August 2020 nur noch 200 statt zuvor 800 Zigaretten pro Privatperson eingeführt werden. „Wenn jeder nur noch eine statt vier Stangen für den eigenen Bedarf nach Hause mitbringen dürfte, würde das die Lage entspannen“, so Peter Götz. Selbst wenn der Zoll viele Berufspendler nicht kontrollieren könne, würde eine Senkung der Freigrenzen dem deutschen Einzelhandel in der Nähe zu Polen und Tschechien helfen, ist Götz überzeugt. Und er glaubt auch, dass der deutsche Staat durch Mehreinnahmen bei der Tabak- und Mehrwertsteuer von einer solchen Maßnahme einen Nutzen hätte.

da / DTZ vom 27.01.2021